Hans-Oskar Jülicher
Rechtsanwalt, Fachanwalt für Erbrecht, Testamentsvollstrecker, vereidigter Buchprüfer
Ruth Schulze-Jülicher
Rechtsanwältin, Anwaltmediatorin (DAA)
Kurt Schmitz
Rechtsanwalt
Kanzlei Jülicher in Heinsberg

Ihr Testament - die Weichenstellung für Ihren Nachlass

Mit einem Testament bestimmen Sie, in welche Richtung Ihr Nachlass oder bestimnte Teile von ihm gehen und wie die späteren Erben sich auseinanderzusetzen haben. Die Regeln können Sie bestimmen und Streit vermeiden.

Die Form des Testaments

So erstellen Sie ein Testament

Testamentsformen

Die klassische Form des Testaments ist das handschriftliche Testament. Dabei wird das Testament vom Testator, also dem Verfasser des Testamentes, komplett selber mit der Hand geschrieben, mit Datum und Ort und Unterschrift versehen. Nur Eheleute und eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartner können auch ein gemeinschaftliches Testament verfassen. Es muss dann von einem der Ehegatten/Partner komplett mit der Hand geschrieben und von beiden unterschrieben werden.

Die Alternative ist das notarielle Testament. Hier wird der komplette Text vom Notariat geschrieben und vom Testator nur unterschrieben.

Sie können auch einen maschinengeschriebenen oder vom PC ausgedruckten Text in einem Umschlag beim Notariat abgeben mit der Erklärung, dass sich in diesem Umschlag ihr letzter Wille befindet. Sie müssen sich dann nur beim Notariat entsprechend ausweisen und diesen maschinengeschriebenen Brief übergeben.

Aufbewahrung des Testaments

Ein Testament sollte so sicher verwahrt werden, dass es im Erbfall auch gefunden wird. Am sichersten ist dies der Fall, wenn man das Testament beim Amtsgericht hinterlegt. Ein notarielles Testament wird automatisch vom Notar entweder in Verwahrung genommen oder beim Nachlassgericht hinterlegt. Die Alternative besteht darin, dass man das Testament an einem bestimmten Ort aufbewahrt und den im Testament Begünstigten eine Kopie gibt und erklärt, wo das Testament zu finden ist. Enthält das Testament Regelungen, die einzelnen Erben benachteiligen, besteht nämlich die Gefahr, dass das Testament von diesen Personen gesucht. gefunden und dann vernichtet wird. Haben die übrigen Erben aber eine Kopie in der Hand, können Sie die ordnungsgemäße Erstellung und den Inhalt des Testamentes auch ohne das Vorhandensein des Originals gegebenenfalls bei Gericht beweisen.

Das Ehegattentestament

Ein gemeinschaftliches Testament

Ein Ehegattentestament ist ein gemeinschaftliches Testament von Ehegatten und eingetragenen gleichgeschlechtlichen Lebenspartnern. Nur diesen Personenkreis ist es möglich, ein solches gemeinschaftliches Testament zu erstellen. Bei einem privatschriftlichen Testament schreibt dann einer der Eheleute den kompletten Text mit der Hand und beide unterschreiben. Solche Testamente können bezüglich Erbeinsetzung Auflagen und Vermächtnisse auch bindend sein aufgrund einer so genannten Wechselbezüglichkeit. Das bedeutet, dass nach dem Tod des erstversterbenden Ehegatten der überlebende das Testament nicht mehr ändern kann. Dies kann für den Erstversterbenden eine Beruhigung sein. Andererseits kann der Überlebende aber nicht mehr auf Veränderungen in der Gesetzes- und Rechtslage oder auf Änderung in den persönlichen Verhältnissen von einzelnen Erben reagieren. Wird beispielsweise ein als für den zweiten Erbfall vorgesehener Errbe aufgrund von Unfall oder Erkrankungen zum Sozialfall, wird der ihm zugedachte Teil des Nachlasses später ihm nicht zur Verfügung stehen, sondern eingesetzt werden müssen, was vom Sozialhilfeträger gefordert werden wird.

Berliner Testament

eine Form des gemeinschaftlichen Testaments

Das so genannte "Berliner Testament" ist eine spezielle Form des gemeinschaftlichen Testaments. Hierbei setzen sich Eheleute für den ersten Todesfall wechselseitig zu Alleinerben ein und bestimmen gleichzeitig, wer  beim Tod des überlebenden Ehegatten Erbe werden soll. Die Problematik bei solchen Testamenten kann darin liegen, dass der überlebende Ehegatte an die Verfügungen für den zweiten Erbfall gebunden ist und nicht mehr aus dieser Bindung herauskommt. Daher will gut überlegt sein, bevor man ein solches Testament macht. Es sollte erwogen werden, dem Überlebenden die Möglichkeit zu lassen, auf Entwicklungen zu reagieren und die Erbfolge für den zweiten Erbfall abweichend zu regeln. Dabei können Einschränkungen hinsichtlich der Abänderungsmöglichkeiten festgelegt werden. So kann zum Beispiel geregelt werden, dass eine Abänderung von Quoten bei mehreren Erben nur innerhalb dieser Erben möglich ist. So wird verhindert, dass das Vermögen letztlich in fremde, bei Testamentserrichtung womöglich noch unbekannte Hände gelangt.

Ablieferungspflicht

Wer im Besitz eines Testaments ist und vom Tod des Testamentsverfasssers erfährt, ist nach § 2259 BGB verpflichtet, dieses Testament unverzüglich bei dem Nachlassgericht abzugeben. Das Tetsament stellt eine Urkunde im Sinne des Gesetzes dar. Wer ein solches Testament vernichtet, begeht damit eine Urkundenunterdrückung, was nach § 274 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe bedroht ist. Wenn ein Erlasser derartiges befürchtet, wird er im Vorfeld dafür gesorgt haben, dass Kopien von dem Testament vorhanden sind oder sogar eine Ausfertigung bei Gericht hinterlegt ist. Ein Vorgehen nach der Devise "Weg ist weg" ist also höchst gefährlich.

Testamentsvollstreckung

Mit der Anordnung einer Testamentsvollstreckung kann man für die Zeit nach seinem Tod noch lenkend in die Nachlassabwicklung eingreifen und Streit oder Verschwendung vermeiden. Bei behinderten Kindern und Sozialleistung empfängenden oder insolventen Erben ist eine Testamentsvollstreckung unverzichtbar, weil sonst der Erbteil des betroffenen Kindes nicht dem Kind zugute kommt. Bei noch nicht volljährigen Kindern kann es ratsam sein, eine Testamentsvollstreckung bis zum 25. oder 27. Lebensjahr anzuordnen. Nähere Informationen finden Sie unter www.ndtv.info

Unternehmensnachfolge

Die Regelung der Unternehmensnachfolge sollte zu Lebzeiten sehr sorgfältig geplant werden. Bei einer Einzelfirma ist dies noch relativ einfach möglich. Ist der spätere Erblasser aber an einer Kapital- oder Personengesellschaft (z.B. GmbH oder  KG)  beteiligt, müssen die testamentarischen Regelung exakt mit den Regelungen im Gesellschaftsvertrag abgestimmt sein. Wegen der steuerlichen Problematiken, die bei einem Erbfall auftreten können, sollte man auf jeden Fall auch den Steuerberater hinzuziehen. Wegen der recht komplizierten gesellschaftsrechtlichen Regelungen empfiehlt es sich aber, in jedem Falle auch anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die komplette Regelung muss natürlich zu Lebzeiten getroffen werden, damit im Erbfall keine unnötigen steuerlichen oder gesellschaftsrechtliche Probleme auftauchen.

Steht eine Unternehmensnachfolge auf ein Kind an, das möglicherweise noch nicht volljährig oder noch nicht mit seiner Ausbildung fertig ist, bietet es sich an, eine Testamentsvollstreckung einzurichten. Der Testamentvollstrecker muss dann das Unternehmen fortführen bis zu dem Zeitpunkt, in dem das Kind oder die Kinder die Firma selber führen können.

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